totale und zentrale Mondfinsternis am 27. Juli 2018
"Three in One"

Finsternisgröße 1.613

Beobachtungsort: Kolymbia auf Rhodos/Griechenland, 36°14'56" N, 28°09'56" E


Die Dauer der Kernschatten-Totalität dieser Finsternis betrug 1h 43min. Damit war sie die längste Mondfinsternis dieses Jahrhunderts.
Zusätzlich bot diese Finsternis eine weitere Besonderheit: außer der Kernschatten-Totalität waren noch zwei Halbschatten-Totalitäten zu sehen.
Also gleich drei Totalitäten in einer Finsternis, "Three in One" sozusagen. Die Kernschatten-Totalität ist die bei weitem eindrucksvoller ("Roter Mond, "Blutmond") als die Halbschatten-Totalitäten, doch sind diese seltener als Kernschatten-Totalitäten. Es kann nur dann zu Halbschatten-Totalitäten kommen, wenn der Halbschattenbereich des Erdschattens größer ist als der Monddurchmesser. Dies war bei dieser Finsternis der Fall; der Mond war etwa 6.5% kleiner, was für jeweils etwa 5 Minuten Halbschatten-Totalität reichte.

Am gleichen Tag befand sich unser äußerer Nachbarplanet, der Mars, in günstiger, erdnaher Opposition.
Mars steht im Sommer 2018 der Erde so nahe wie seit 2003 und bis 2035 nicht mehr und strahlt entsprechend hell, heller als Jupiter.
Während der Kernschatten-Totalität leuchtete der Mars heller als der verfinsterte Vollmond.
Außerdem standen der verfinsterte Mond und Mars am Himmel nur wenige Grade voneinander entfernt,
so dass sich ein ganz außergewöhnlicher Anblick bot.
Am östlichen Mittelmeer boten sich deutlich bessere Beobachtungsbedingungen als in Deutschland. Durch die südöstlichere Lage gingen Mond und Mars deutlich früher auf und standen während der Totalität deutlich höher am bereits dunklen Himmel.

Three in One
Bei der Durchquerung des Erdschattens ergaben sich zwei komplette Halbschatten-Totalitäten (einige Minuten vor Beginn bzw. nach Ende der partiellen Kernschattenfinsternis) und eine lange,103 minütige totale Kernschattenfinsternis.
Die Aufnahmen wurden von mir jeweils zur Mitte der Totalitäten gemacht. Das in den Kernschatten hinein gebrochene Licht der Sonnenauf- und Untergänge auf der Erde sorgt für die rötliche Färbung des Mondes. Das Helligkeit des Mondes zur Mitte der Kernschattentotalität war etwa 20000 mal schwächer als zu den Halbschattentotalitäten.



U2 U3
Beginn und Ende der 103 minütigen Kernschattentotalität.

U2 U3
Mond und Mars während der Kernschattentotalität. Diese Aufnahme (2 sek, 1000 ASA, f 6.3) gibt den visuellen Eindruck gut wieder. Mars erschien in einem hellem, gelblichen Licht im Kontrast zum dunkleren, orange-roten Mond.

Beginn partielle Halbschattenfinsternis Beginn partielle Halbschattenfinsternis
Eine gute Viertelstunde nach Beginn der partiellen Halbschattenfinsternis steht der Mond bereits 4° über dem Horizont. In Richtung des linken unteren Randes kann man bereits eine schwache Abdunklung erkennen. Vom Mond aus würde man dort eine partielle Sonnenfinsternis sehen.

U1
4 Minuten machen den Unterschied: links totale Halbschattenfinsternis, rechts: Beginn der partiellen Kernschattenfinsternis. Der östliche Mondrand bekommt kein direktes Sonnenlicht mehr.

U1
Der Doppelstern am oberen Bildrand ist ο Capricorni (Steinbock). Im südlichen Afrika wurde er südlich einer Linie von ca 27° südlicher Breite während dieser Finsternis vom Mond bedeckt, während der Mond für Beobachter in Europa mehr als 1° entfernt am Stern vorbeizog, wie im Foto zu sehen.

Alle Aufnahmen wurden mit der Sony DSC HX400 aufgenommen.





Der Unterschied in den Beobachtungsbedingungen wird in den beiden folgenden Simulationen (stellarium) deutlich:

Simulation des Himmelsanblick der totalen Mondfinsternis
Simulation des Himmelsanblicks zur Zeit der Finsternismitte für 50°N und 9°O. Links im Bild der Mond und Mars, knapp über dem Horizont.
In der rechten Bildhälfte sind die hellsten Sterne des Schützen (in der Form eines Teekanne) zu erahnen, etwa halbhoch steht Saturn.


Simulation des Himmelsanblick der totalen Mondfinsternis
Simulation des Himmelsanblicks zur Zeit der Finsternismitte für 36°N und 28°O (Rhodos). Der verfinsterte Mond und der Mars stehen halbhoch am dunklen Himmel.
In der rechten Bildhälfte ist die Milchstraße zu erkennen. Der hellste "Stern" darin ist der Planet Saturn.
Der Mond ist jeweils etwas vergrößert wiedergegeben.

Diese Mondfinsternis war aus zwei Gründen besonders lang:
1) Die Mondbahn verlief diesmal fast exakt durch den Mittelpunkt des Erdschattens;
     der im Schatten zurückgelegte Weg (Winkelabschnitt) war also besonders lang.
2) Zum Zeitpunkt der Finsternis stand der Mond weiter von der Erde entfernt als im Mittel, im seg. Apogäum.
     An diesem Punkt bewegt sich der Mond entsprechend den Keplerschen Gesetzen
     mit geringener Winkelgeschwindigkeit durch den Erdschatten.
Dem gegenüber stand zwar der in der größeren Entfernung des Mondes kleinere Durchmesser des Erdschattens,
doch die erstgenannten Effekte überwiegen.
Der Halbschattenbereich wird mit zunehmendem Abstand von der Erde größer. Bei Mondfinsternissen, bei denen der Mond erdfern im Apogäum steht, ist dieser Bereich groß genug, dass der ganze Monddurchmesser in diesen Bereich "passt" und es, wie bei dieser Finsternis, zu Halbschatten-Totalitäten kommt.

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